Von Anna zu Zita – Österreich buchstabiert

14. Februar 2026 durch
Von Anna zu Zita – Österreich buchstabiert
Martina Moser Vicido


Im Sommer 2025 hat Österreich etwas gemacht, worüber Sprach‑ und Schulmenschen seit Jahren heimlich lächelnd sprachen: erstmals eine eigene Buchstabiertafel im Österreichischen Wörterbuch veröffentlicht. Das klingt erst mal nach: „Na endlich!“, aber auch ein bisschen nach „Wozu das denn?“ – vor allem, wenn man an die alte Variante denkt.


Was ist eigentlich so eine Buchstabiertafel?


Sie hilft, Wörter über Telefon oder Funk eindeutig zu übermitteln – etwa wenn jemand seinen Namen buchstabieren muss. Ein einzelner Buchstabe kann leicht verwechselt werden, ein ganzes Wort wie Anna oder Otto hingegen viel seltener.



Was ist neu in Österreich?

Die neue Tafel setzt stärker auf heutige, geläufige Vornamen und – wo es keine passenden Namen gab – auf einfache, bekannte Wörter.

Beispiele aus der neuen Liste:


A wie Anna statt Antorn

Ch wie China – klar und kurz
N wie Nora statt Nordpol

P wie Peter 

U wie Udo statt Ullrich


Manche „klassischen“ Begriffe, die früher noch oft genannt wurden, sind weggefallen oder ersetzt worden, weil sie heute seltener genutzt werden.



L wie Ludwig?

Ein Klassiker wie L wie Ludwig war früher sowohl in Deutschland als auch in Österreich in Verwendung. Er lief daher schon lange, weil er  geläufig war und in vergangenen Zeiten auch einwandfrei funktionierte. Bei der neuen Tafel werden solche Begriffe aber bewusst überdacht und teils ersetzt, in dem Fall wurde Ludwig zu Leo, kürzer, aktueller und daher leicht zu merken.



Deutschland: Von Ludwig zu Leipzig

Auch in Deutschland wurde die Buchstabiertafel überarbeitet – allerdings schon 2022 und mit einem ganz anderen Zugang als in Österreich. Statt Vornamen setzt man dort seit der Reform auf Städtenamen. Aus Ludwig wurde also „Leipzig“, aus Berta wurde „Berlin“, aus Cäsar wurde „Cottbus“.

Hintergrund war eine kritische Aufarbeitung: In der Zeit des Nationalsozialismus wurden gezielt jüdische Namen (wie David, Nathan, Samuel) aus der Tafel gestrichen und ersetzt – viele dieser Änderungen blieben nach 1945 einfach bestehen.

Mit der neuen DIN 5009 wollte man diese Altlasten beseitigen, eine neutrale, diskriminierungsfreie Tafel schaffen und gleichzeitig Begriffe verwenden, die heute allgemein verständlich sind. Dass dabei auch der traditionsreiche Ludwig verschwinden musste, war eher ein Kollateralschaden – er war nicht belastet, passte aber schlicht nicht mehr ins neue Städte‑Schema.



Geändert wurde auch, was nie offiziell war

Besonders charmant ist übrigens, dass mit der neuen Tafel auch Begriffe ersetzt wurden, die nie wirklich offiziell waren – etwa Z Zita statt Z wie Zeppelin.

Der tauchte zwar jahrzehntelang in Gesprächen, Telefonaten oder sogar bei Lehrkräften auf, aber: Im offiziellen Regelwerk stand immer „Zacharias“.

Mit der Reform wurde also – ganz im österreichischen Stil – etwas modernisiert, das es offiziell gar nicht gegeben hat. 

Ein wenig so, als würde man im Lehrplan das „Jausenfach“ abschaffen, das nie eingeführt wurde, aber das trotzdem alle kennen.



Und wie ist das mit dem Unterricht?

Steht das im Lehrplan? Und wird es unterrichtet?

Lehrpläne sagen nicht ausdrücklich, dass diese neue Buchstabiertafel gelehrt werden muss. In Österreich gibt es zwar für die Volksschule und andere Schulstufen klare Lehrpläne in Deutsch und Sprachkompetenzen – wie Lesen, Schreiben und sprechende Sprache –, aber eine verbindliche Norm, findet sich dort nicht.


Was aber sehr wohl im Unterricht vorkommt, sind Alltagskompetenzen wie:

  • Buchstabieren lernen,
  • die eigene Schreibweise erklären,
  • Wörter übermitteln, sodass andere sie verstehen können.


Das ist eine Kulturtechnik, die schon seit vielen Jahren Teil des Deutschunterrichts ist – ganz unabhängig davon, mit welcher genauen Tafel gearbeitet wird. Mit anderen Worten: Kinder lernen das Buchstabieren im Deutschunterricht.

Ob konkret die neue Tafel 1:1 „unterrichtet“ wird, ist nicht vorgeschrieben. Vielmehr wird vermittelt, klar zu kommunizieren, z. B. am Telefon oder bei Gruppenarbeit.


Das ist ähnlich wie beim Lesen und Schreiben generell: Die Kulturtechniken sind klar im Lehrplan, einzelne Hilfsmittel (wie eine bestimmte Buchstabiertafel) sind eher eine pädagogisch-didaktische Wahl.



Warum das Ganze – und warum trotzdem witzig?

Sprache ist lebendig, und wenn eine Buchstabiertafel nach Zita und Nora klingt, statt nach Nordpol und Zeppelin, zeigt das eine liebevolle Seite der Sprache:

Sie bricht mit alten Gewohnheiten, sie spiegelt, wer wir heute sind – und sie soll verständlich sein. Das heißt nicht, dass man es zwingend so verwenden muss. Aber es ist eine nette, moderne Variante, die sich an aktuellen Vornamen orientiert und bewusst einfacher, klarer und zeitgemäßer ist als alte Varianten. Ein netter Side effect ist dabei auch, dass Österreich eine eigene Buchstabiertafel hat und sich dadurch ein wenig mehr Individualität erhalten bleibt. 



Jetzt herunterladen: Die neue Buchstabiertafel für Österreich

Wir haben die offizielle österreichische Buchstabiertafel (2025) als kostenfreies, übersichtliches PDF aufbereitet – klar strukturiert, in schultauglichen Design und natürlich erstellt mit VICIDo Smart. Ideal für das Klassenzimmer, den Schreibtisch oder als Sprachhilfe im Alltag. Die Tafel eignet sich zum Aufhängen, Ausdrucken oder Einfügen in Unterlagen – ganz so, wie Sie es benötigen.


Hier geht’s zum kostenlosen Download: Buchstabiertafel Österreich 2025



Fazit fürs Klassenzimmer

Die Buchstabiertafel wurde in Österreich 2025 erstmals offiziell im ÖWB verankert.

Sie ist kein Pflichtlernziel im Lehrplan – aber ein nützliches Werkzeug im Sprachunterricht.

Kinder lernen weiterhin buchstabieren, egal ob mit alter, neuer oder gemischter Tafel.

Für Lehrerinnen und Lehrer bietet der neue Wortschatz eine schöne Möglichkeit für Sprachspiele, Wortschatzarbeit und Kommunikationskompetenz.


Quellennachweis:

Erste österreichische Buchstabiertabelle (https://oe3.orf.at/stories/3048205?utm_source=chatgpt.com)

Vergesst Anton, Nordpol, Zeppelin! Österreich muss neu buchstabieren lernen (https://www.diepresse.com/19753289/vergesst-anton-nordpol-zeppelin-oesterreich-muss-neu-buchstabieren-lernen?utm_source=chatgpt.com)

Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) in Zusammenarbeit mit der neuen Sprachnormenkommission (ACHTUNG, keine sichere Verbindung http://www.oedeutsch.at/OEDTPORTAL/downloads/AT-Buchstabiertabelle%20NEU-2025.pdf?utm_source=chatgpt.com).

Offizielle Buchstabiertafel im Rahmen der Neuauflage des Österreichischen Wörterbuchs (ÖWB, 2025), Wikipedia‑Eintrag zur Information über ÖWB: https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichisches_W%C3%B6rterbuch


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